Davenport, IA – Sioux City, IA

… somewhere in Middle America

Omaha, somewhere in middle America. Get right to the heart of matters, it´s the heart that matters more.

(Counting Crows – Omaha)

Zwei herrlich sonnige, entspannte Tage verbringen wir am Illiwinek Forest Preserve Campground am Ufer des Mississippi, weil es hier so idyllisch ist. Wir genießen Sonne, Wasser, Natur (Pelikane), Romantik (Sonnenuntergang) und süßes Nichtstun – wir finden, das haben wir uns verdient.

Erst dann folgen wir dem Fluß stromaufwärts nach Norden und queren den Mississippi in den nächsten Bundesstaat: Iowa. Unser erster Stop heißt Sabula City, das sich auf einer Insel mitten im Mississipi befindet. Im South Sabula Lake County Park begrüßt uns Campingwartin Sandra. Sie und ihr Mann Jack laden uns ein, unser Zelt auf einem Rasenzipfel ihres Campingspots auf zu schlagen und die 17$ Campinggebühr zu sparen. Dieser Einladung folgen wir natürlich sehr gern. Doch damit nicht genug, wir werden mit Cola und Bier, frischer Tomate und gebutterten Maiskolben versorgt. Zu unserer Überraschung beschenkt uns Sandra auch noch mit zwei schillernd bunten „Island City Days 2015“-T-Shirts und einer Einladung zu einem reichhaltigen Frühstück am nächsten Morgen mit Schinkenrührei, Würstchen, Buttertoast, Marmelade und Erdnussbutter. Wir fühlen uns ein bisschen wie im Schlaraffenland.

Iowa ist entgegen unserer Erwartungen teilweise hügelig und neben den vielen Feldern auch recht bewaldet. Unterwegs treffen wir auf Hilmar aus der Nähe von Seattle, der Iowa ebenfalls mit Radausflügen und einem Van als Basis erkundet. Gemeinsam radeln wir zum Aussichtspunkt von Bellevue, das seinem Namen alle Ehre macht: Von hier oben haben wir einen grandiosen Blick auf das Städtchen und den in vielen Armen verzweigten Mississippi. Die Uferpromenade von Bellevue lädt mit ihren Bänken und Schaukeln zum Verweilen ein. Doch Dubuque und eine letzte Nacht am Ufer des Mississippi rufen, so dass wir nach unserer Mittagsrast auf einer Hollywoodschaukel mit Blick auf den Fluss weiter Richtung Norden kurbeln.

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Blick auf Bellevue und den Mississippi River

Zur Belohnung für den heutigen Tag gibt´s bei der Ankunft in Dubuque ein Eis und später Nudeln in einer köstlichen Tomaten-Oliven-Sauce. Ihr glaubt gar nicht, wie vorzüglich die einfachsten Speisen bei soviel Bewegung an frischer Luft plötzlich schmecken können… und wieviel man_frau davon essen kann!

Apropos IHR: Mirko und ich haben in den letzten Wochen festgestellt, wie toll es doch ist, diesen Blog zu schreiben. Oftmals entwerfen wir unsere Sätze in Gedanken an Euch schon während des Radfahrens. Deshalb wollen wir uns gern bei Euch allen, die ihr uns folgt und auch kommentiert, bedanken. Für uns ist Eure Begleitung eine zusätzliche Motivation und noch dazu eine hervorragende Gelegenheit, das Erlebte Revue passieren zu lassen. Macht bitte weiter so!!!

Von Dubuque aus führt unsere Route geradewegs gen Westen, was bei amerikanischer Straßenführung ein Leichtes ist. Auf den ersten 25 Meilen bis Dyersville ist uns – bei strömendem Regen – noch ein Radweg vergönnt, der Heritage Trail. Von da an folgen wir Nebenstraßen, die parallel zur US 20 verlaufen und genießen den sporadischen Verkehr, die Weite der Landschaft und die hügeligen Mais- und Bohnenfelder, mit einzelnen Farmhäusern gepunktet. Klingt möglicherweise langweilig, ist jedoch durchaus unterhaltsam und abwechslungsreich… Mal rechts Maispflanzen und links Bohnen, dann wieder umgekehrt oder Mais zu beiden Seiten… Nein, mal im Ernst: An Tagen mit teilweise starkem Gegenwind sehnen wir uns regelrecht nach Maisfeldern, die einen guten Windschutz bieten. Und bis auf einige wenige Ausnahmen haben wir das Gefühl, dass sich die Menschen hier wirklich, wirklich freuen, uns durch ihren Bundesstaat radeln zu sehen.

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weites Iowa

Einige Tage später, wir erreichen Evansdale, feiern die Gäste des Campingplatzes im Deerwood Park am 24. und 25. Juli Weihnachten. Das heißt, es gibt einen Wettbewerb für die schönste Weihnachtsdeko am Wohnmobil, der Weihnachtsmann fährt abends über den Campingplatz und es wird ein Weihnachtsfilm gezeigt… so lockt man hier wohl Gäste an… und wir mittendrin…

Die Weite der Great Plains bedeutet für uns zweierlei. Zum einen ist es an der Zeit, während des Radelns Musik zu hören, so dass die Natur um uns herum zur Leinwand für Hörgenuss wird. Zum anderen jedoch auch, dass das Wetter hier durchaus schnell umschlagen kann. Innerhalb weniger Minuten wird aus heißem Sonnenschein und blauem Himmel eine fette Regenfront mit kaltem Wind und riesigen Regentropfen. Doch meistens folgt danach auch wieder Sonnenschein. 🙂

Am 28. Juli zum Beispiel, wir befinden uns in Steamboat Rock am Iowa River, regnet es Bindfäden, als wir gerade mit dem Frühstück fertig sind. Also harren wir bis zum Mittag unter dem Shelter aus, bevor wir uns in der größten Hitze auf den Weg nach Webster City machen. Nur fünf Meilen weiter erspähen wir am südlichen Horizont eine beängstigend dunkle, nahezu schwarze und mit Blitzen durchzogene Gewitterfront, die direkt auf uns zu zu rollen scheint. Alles oder nichts – wir radeln, was das Zeug hält und haben nach etwa drei Stunden das Gewitter abgehängt. Zur Belohnung gibt´s in einem zünftigen TruckStop Blaubeer- und Pfirsisch-Pie mit Vanilleeis. Erstmals sehen wir heute auch Windräder und zwar jede Menge – ein ungewohntes Bild, das uns in den kommenden Tagen noch häufiger begegnen wird.

Es folgen mehrere Tage endloser Weite – wir passieren an einem Tag maximal drei Orte, die mitunter 20 Meilen weit auseinander liegen. Die großartigste Erfindung dazwischen sind kleine, feine Tankstellen mit angeschlossenen Cafés bzw. Shops. Hier findet offensichtlich der kulturelle Austausch statt und so kann es schon mal passieren, dass wir uns im Plausch mit den älteren Herren von Fonda, Iowa fast ein Stündchen bei Kaffee und Eis verquatschen… was uns den Tag rettet. Denn eigentlich sind wir bei Gegenwind von bis zu 25km/h auf schnellstem Weg unterwegs von Fort Dodge nach Moville, mit Zwischenstop in Storm Lake.

Was wollen die beiden denn um alles in der Welt in Moville, könntet Ihr Euch nun fragen. Na, unser Paket mit Visitenkarten abholen, die wir nach drei Monaten on tour endlich bestellt und uns in das US Post Office von Moville, Iowa liefern lassen haben, um sie vor unserer letzten großen Station in Iowa, Sioux City, in Empfang zu nehmen.

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Juhu, die Visitenkarten sind da

Der Weg von Moville nach Sioux City am 01. August führt dann leider über die US 20, die zum Samstag recht stark befahren ist. Und nachdem zwei PKW sehr knapp an uns vorbei gefahren sind, packe ich zum ersten Mal die Warnweste in grellorange aus, um sie an den hinteren Packtaschen zu befestigen. Die wunderbare Warnweste wirkt Wunder – obwohl wir jetzt auf dem Randstreifen unterwegs sind, wechseln die PKW-Fahrer_innen auf die linke Spur, bevor sie uns überholen…

Und es folgt ein weiteres 1. Mal an diesem verrückten Tag. Das KFC-Restaurant in Morningside (dem Iowa-Teil der Drei-Staaten-Stadt Sioux City) bietet heute ab 11 Uhr ein All-you-can-eat-Buffet zum unschlagbaren Preis von 7$ pro Person. Ihr könnt Euch sicher ungefähr vorstellen, wie lange wir maßlos Hähnchenteile, Kartoffelbrei, Krautsalat, Bohnen, Kartoffelsalat, Nudelauflauf, saure Gurken, Maccaronisalat, Schoko- und Karamellpudding futtern. Die letzten Kilometer bis zum Campingplatz im Stone State Park sind besonders für Mirko ein reine Qual. Am Abend hat er sich soweit erholt, dass er wieder eine Kleinigkeit zu sich nehmen kann.

 

Randnotizen:

Der allerorts und jederzeit frisch gemähte Rasen am Wegesrand weckt in mir Kindheitserinnerungen – Ferien auf Omas Bauernhof, frische Butterbrötchen und heißer Kakao zum Frühstück, mit meinen Cousinen gebaute Deckenburgen im großen Garten, und Heimatgefühl – sommerliches Heuwenden im elterlichen Garten, Baden im winzigen Wasserbassin.

„Erst die Fremde lehrt uns, was wir an der Heimat besitzen.“

(Theodor Fontane)

Waren es in Europa noch einzelne Schuhe, die häufig am Straßenrand lagen, so sind es hier in den USA vorwiegend einzelne Handschuhe in allen erdenklichen Größen und Ausführungen, die verloren oder weggeworfen wurden.

Am Rand eines riesigen Radevents, RAGBRAI genannt, bewegen wir uns in den ersten Tagen durch Iowa. Am einwöchigen Register´s Annual Great Bicycle Ride Across Iowa durchqueren jährlich etwa 10.000 Menschen plus weitere 10.000 Tagesteilnehmer_innen Iowa zwischen dem Missouri River und dem Mississippi River. Entsprechend häufig werden wir gefragt, ob wir am RAGBRAI teilnehmen bzw. später, ob wir nicht zu spät dran wären für diese Tour.

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Impression in Wellsburg

Im Herzen von Iowa haben wir kurzzeitig die Idee, mit dem Einsammeln von Dosen unsere Reisekasse aufzubessern. Zwischen zwei und drei Dollar liegen da täglich verstreut am Wegesrand. Wir konnten uns bisher nicht einigen, wer den Anhänger für das Sammelgut befördert und haben auch noch keine Teleskopstange mit Magnetgreifer gefunden, um die Fundstücke einzusammeln. Vorschläge Eurerseits nehmen wir gern entgegen. 😉

Kleine Anekdote auf einem der zahllosen Campingplätze der letzten Wochen: Gefragt nach unserer Tour und unseren Tagesetappen geben wir wie gewohnt zur Antwort, dass diese von den Bedingungen (Wetter, Wind, Kondition) abhängig seien und wir uns oft dort für ein oder zwei Nächte niederlassen, wo es uns gefällt. Unser Nachbar verkündet daraufhin, mit seinem Erholungsfahrzeug (Recreation Vehicle – RV) wäre es haargenau das Gleiche.

Allgemein vergehen die Tage wie im Flug. Inzwischen sind wir ganz gut darin, morgens nur noch zwei, maximal zweieinhalb Stunden zwischen Aufstehen und Start zu benötigen und sitzen zwischen neun und halb zehn auf dem Rad. So langsam finden wir wohl einen Rhythmus für unseren Weg…

 

Gesamtkilometer: 6.969km

Höhenmeter: 28.909m

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8 Gedanken zu „Davenport, IA – Sioux City, IA“

  1. Ein fröhliches Hallo an Euch Beide,
    Ich sitze hier gerade beim Urlaubsfrühstück ( zu Hause) und freue mich, wieder was von Euch lesen zu können.
    Schon verrückt, wie mich Euer Abenteuer fesselt. Wenn man längere Zeit von Euch nichts hört, so mache ich mir Gedanken, daß es Euch auch ja gut geht und nichts passiert ist.
    Jedenfalls lesen sich Eure Berichte immer wieder wie von selbst.
    Ihr solltet mal darüber nachdenken, nach Eurer Rückkehr ein Buch zu verfassen.
    Eure Fotos genieße ich später in Ruhe.
    Also bis bald, bleibt schön gesund und- “ Gut Tritt“
    Kathrin

  2. Hallo Ihr Zwei Weltenbummler,
    mir geht es genau so .. ich /wir lesen mit großer Begeisterung Eure Reiseberichte, man fühlt sich immer als wär man mittendrin und mit dabei 🙂 . Immer wenn länger mal nix gepostet wird..tja da macht man sich schon nen Kopf..geht´s ihnen gut..wieso schreiben sie nix. Ist wirklich irre was Ihr da macht- Hut ab!! Aber das habt Ihr bestimmt schon öfters gehört. Ich freu mich jedenfalls bald wieder einen spannenden Reisebericht zu schmöckern- selbst hätte ich nicht den Mut sowas auf die Beine (Räder) zu stellen.
    Fühlt Euch ganz lieb gedrückt!
    Schulzi und die restliche Family

  3. moin weltenbummler,
    gut zu wissen, dass ihr weiterhin gut vorankommt und die radelei unverändert genießt, auch wenn eure ausführungen zum thema abwechslung schon die frage aufkommen lässt, ob eure zurechnungsfähigkeit durch die weiten ebenen nicht doch ein wenig gelitten hat 😉 die schnappschüsse überraschen und faszinieren weiterhin! zwar war ich noch nie in diesen bundesstaaten unterwegs, eine erwartung wie es dort aussieht hatte ich trotzdem (warum auch immer, vielleicht sind es ja eher meine mentalen fähigkeiten die mir sorge bereiten sollten). und wie ich feststellen musste, decken sich diese nicht mit euren schilderungen…..aber dafür ist eine reise ja da (egal ob im sattel oder vorm rechner). beim thema gegenwind habe ich übrigens gleich nochmal bei mirko´s erster reise im abschnitt südl. seidenstraße nachgelesen und fühlte mich auch selbst betroffen, als mir letztens bei der radelei ins büro eine ziemliche briese entgegenwehte…

    quizfrage: wisst ihr beiden eigentlich aus welcher stadt/welchem bundesstaat die protagonisten aus „beverly hills, 90210“ (familie walsh) nach kalifornien gezogen ist?

    na wie auch immer. ich arbeite jetzt erstmal an der entwicklung meiner fähigkeiten als heimwerker weiter und wünsche euch beiden weiterhin alles gute, gesundheit und pannenfreiheit.

    LG & bleibt tapfer,
    E&O+E&A

    1. Einen wunderschönen Sonntagmorgen Euch Zwei. Unser Leben wäre nur halb so interessant und spannend, würde es Eure Reise und die damit verbundenen Blogeinträge nicht geben. Nicht nur ihr lernt ferne Länder und Menschen kennen, sondern auch wir erweitern unseren Horizont. Das erleichtert unsere Gedanken ,dass Ihr so weit enfernt von uns seid. Manchmal haben wir schon grosse Sehnsucht nach Euch.Wir freuen uns immer wie verrückt über Neuigkeiten und noch mehr wenn wir skypen können. Viele liebe Grüsse auch von Karin und Frank. So nun radelt mal schön weiter. Bleibt gesund, bis zum nächsten Mal . Es umarmen Euch Balazs und Kristina.

  4. Hier mal wieder ein Hallo an euch Zwei „Kurzzeitamis“ aus der Herrenhaide,
    hier fühlen wir seit ca 10 Tagen mal nach, wie ihr euch vielleicht in Portugal gefühlt habt. Gern hätte ich jetzt den Niagarafall oder den Missisippi zur Abkühlung in meiner Nähe. Wir, Handballmädels mit Mann und Maus, kühlen uns am 29. auf der „Wilden Rohdach“ beim Flössen, ab. Auf alle Fälle war es gestern, am letzten Tag, meines Urlaubes sehr erfrischend noch ein paar Zeilen ( schön viel) von euch zu lesen.
    Es ist immer wieder erstaunlich zu sehen wie oft ihr die verschiedensten Leute trefft und vor allem nur solche die euch gut gesinnt sind > ihr seit eben Sonnenkinder. Mal schauen wann wir Fotos von Euch mit Indianern sehen 😉 !? Klasse Bilder wie immer, selbst der Rest der Familie kuckt immer mit großem Aah und Ooh. Der Vorschlag ein Buch zu schreiben ist eine gute Idee, ich würde auf alle Fälle eines käuflich erwerben :-). So, wie immer habe ich nicht so viel zu berichten, dafür habt ihr einige wie mich, welche euch unterrichten über Neues und Wissenswertes aus der Heimat. Liebe Grüße also aus dem sonnig heißen Sachsen von Catl

    1. Hallo, meine Lieben. Endlich hat die Warterei ein Ende. Am dienstag ist meine Gewinnerkarte angekommen. Vielen Dank nochmals. Schöne Karte und sogar mit Briefmarke.!Hat schon Seltenheitswert. Also dann machts gut, unfallfreies Radeln und bis bald mal wieder via Skype. Liebe Grüsse Kristina und Balazs.

  5. Huhu Ihr Zwei,
    gerade schaute ich Euren Block durch und ich freue mich über die schönen und glücklichen Bildchen von Euch und der fabelhaft schönen Natur 🙂
    Weiterhin ein gutes Radeln, eine schöne Zeit und bis bald.
    Liebe Grüße Julia (ehemalige Praktikantin)

  6. sorry to miss you as you passed through Chicago and again in Iowa. The RAGBRAI went thru Fonda, Storm Lake, Sioux City, Webster City so we were just a few weeks apart. Did you happen to visit the „Field of Dreams“ location in Dyersville? Dana and I went last summer-it’s my favorite movie.

    Think of you often and we wish you adventurous and safe travels!

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