Katherine – Darwin, Australien

Von magnetischen Baumeistern und Tümpeltourismus

Drei Tage verbringen wir letztendlich im Backpacker Hostel von Coco. Eigentlich waren nur zwei Tage geplant, doch bei der Recherche über unsere weitere Reiseroute wird uns klar, dass ein paar Vorbereitungen in Bezug auf Beschaffung von Visa und diversen Sondergenehmigungen nicht schaden könnten. Davon sind wir bisher glücklicherweise meist verschont geblieben. Doch Asien ist im Hinblick auf Langzeitreisende leider nicht so gut eingestellt. Das wird sicher noch spannend bis nervenaufreibend.

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So brechen wir am 26. August aus Katherine auf um unseren Körpern nach der langen Dürre ein paar ausgiebige Schwimmeinheiten zu gönnen. Unsere erste Etappe heisst Edith Falls im Nitmiluk National Park , 63 Kilometer nördlich von Katherine. Also eine eher gemütliche Etappe. Was aber nicht heisst, dass wir bei den hiesigen Temperaturen nicht ins Schwitzen kommen! Zum „Glück“ kühlt der kräftigen Gegenwind als wir auf die Zubringerstrasse zum Nationalpark abbiegen – naja, man kann nicht alles haben. Kaum angekommen, springen wir natürlich nicht zuallererst ins Wasser. Nee, wir latschen erst einmal eine halbe Stunde durch sonnenverbrannte kahle Landschaft, denn so ein Bad will richtig verdient sein! Am oberen Pool angekommen, hält uns dann aber nichts mehr und das erfrischende Nass umspült unsere ausgetrockneten Körper mit einem lauten Zisch .

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Nitmiluk National Park mit dem Upper Pool der Edith Falls

 

Wir suchen uns ein grünes Plätzchen auf dem schönen örtlichen Campingplatz, natürlich nicht ohne vorher nochmal in den unteren Teich gesprungen zu sein. Glücklicherweise ist es noch vor 19:00 Uhr, denn ab dann ist der Pool wegen nachtaktiven Süsswasserkrokodillen geschlossen. Nach dem Abendessen versammelt sich ein Großteil der Campinggemeinde um das große Lagerfeuer zum „Campfiretalk“ bei dem ein Aboriginieabkömmling Geschichten aus der Dreamtime zum besten gibt, unterbrochen von den außergewöhnlichen Klängen des Didgeridoo seines Begleiters. Äußerst unterhaltsam und interessant zugleich.

Unsere Route führt uns auf dem Stuart Highway weiter nach Norden. Und als wir gerade im Schatten eines Baumes unser verdientes Mittagessen mampfen, kommt ein Radlertrio des Weges. Ulrike, Hansi und Berthold sind für 4 Wochen von Adelaide nach Darwin unterwegs und sozusagen auf der Schlussetappe. Wir halten einen ausgiebigen Schwatz und schwingen uns anschließend wieder auf unserer Räder.

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Berthold, Hansi und Ulrike aus Miesbach

 

Weiter nördlich verlassen wir den betriebsamen Stuart Highway und biegen auf die parallel verlaufende Road.23 ab, die nahezu verwaist ist – eine Wohltat! Unterwegs stoppen wir im kleinen Örtchen Pine Creek, wo wir uns eine kalte Erfrischung gönnen und dem Eisenbahnmuseum einen kurzen Besuch abstatten. Überhaupt gibt es in jedem Kaff ein kleines Museum, eine Austellung oder ein Denkmal. Es scheint als würde jede Ortschaft um die Gunst der unzähligen „Grauen Nomaden“ buhlen, die in endlosen Kolonnen das Outback durchstreifen. Tatsächlich glaube ich, dass der ein oder andere Ort ohne die umherziehende Campervans nicht mehr existieren würde. Gut für uns, denn sonst müssten wir noch mehr Lebensmittel und Wasser mit uns herum schleppen. Trotzdem recht schwer beladen ziehen wir langsam weiter gen Norden und genauso langsam ändert sich auch die Umgebung. Die Sträucher der trockenen Steppe weichen kleineren Bäumen und alsbald tauchen auch die ersten kleinen Palmen unter ihnen auf. War das Zelt im Outback morgens trocken wie Oma´s Rührkuchen, ist es hier mit Morgentau behangen. Es wird eindeutig tropischer, was auch heisst, dass die Nächte wärmer werden und wir keinen kuscheligen Schlafsack mehr brauchen und uns statt dessen eine kühle Brise wünschen. Kaum vorzustellen wie es hier in der Regenzeit auszuhalten ist, wo Temperaturen und Luftfeuchtigkeit noch ordentlich gesteigert sind. Unser nächster Zwischenstop heisst Robin Falls, ein kleiner aber feiner Wasserfall, den wir in den Morgenstunden ganz für uns allein genießen dürfen.

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Robin Falls

 

In Batchelor treffen wir erneut auf das Radlertrio vom Tegernsee, als wir gerade den hiesigen und wie üblich überteuerten Minimarkt plündern. Zwar sind es nur 200km bis nach Darwin, doch dazwischen liegt der Litchfield Nationalpark, in dem wir ein paar geruhsame Tage verbringen wollen und es auf dem Weg keine weiteren nennenswerten Einkaufsmöglichkeiten gibt. Gemeinsam verbringen wir den Abend im oasengleichen Batchelor Holiday Park , in dem abends und morgens spektakulär einheimische Vögel gefüttert werden.

Wir verabschieden uns am nächsten Morgen von unseren drei bayrischen Freunden und rumpeln vollgepackt bis unter´s Oberrohr hinein in den Litchfield National Park. Unser erster Stop im Park gilt den beeindruckenden Termitenhügeln der Magnetic Termite Mounds. Der Name leitet sich von einer erstaunlichen Fähigkeit ab: Diese kleinen, in Kasten organisierten Krabbler haben einen eingebauten Kompass, der es ihnen ermöglicht ihre Bauten präzise auf einer Nord-Süd-Achse auszurichten. Das heisst eine Seite des schmalen Baus befindet sich fast immer im Sonnenschatten, was einen zu hohen Temperaturanstieg innerhalb des Baus verhindert.

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Präzise ausgerichtete Termitenwolkenkratzer

 

Unsere nächsten Stationen heissen Buley Rockhole und Florence Falls, wo wir uns natürlich der ausgiebigen Planscherei hingeben. eine am Straßenrand aufgelesene Pool-Nudel ist dabei von großem Vorteil. In Florence Falls treffen wir auch wieder auf Max und Audrey, mit denen wir die nächsten Tage ganz entspannt gemeinsam verbringen. Die Landschaft des Litchfield National Parks ist gekennzeichnet vom Kontrast zwischen grünen Flussläufen, inklusive jeder Menge Wasserfälle und der braunen trockenen Savanne dazwischen. So hoppeln wir von Wasserloch zu Wasserloch und genießen unseren letzten Tage in Australien. Die Campingplätze befinden sich zu unser großen Freude immer in unmittelbarer Nähe zu den Wasserläufen. Mitunter kann man, wie am Walker Creek, direkt vom Zelt aus ins kühlende Nass springen. Hier eine kleine Auflistung unserer Stationen:

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Buley Rockhole Florence Falls

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Tabletop Swamp Tollmer Falls

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Wangi Falls The Cascades

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Walker Creek

 

Wir verbringen insgesamt sechs Tage im Lichtfield Nationalpark und folgen der zum Teil nicht asphaltierten und an manchen Stellen echt ruppigen Litchfield Park Road. Zurück auf der Cox Peninsula Road geht es dann weiter zur namensgebenden Halbinsel. Dort verbringen wir noch einen Ruhetag in Wagait Beach – wir besichtigen die Überreste eines im 2. Weltkrieg bei einem Übungsflug abgestürzten B24-Kampfjets namens „Mylady“ und aalen uns am Nachmittag im Schatten des Sportkomplexes im Cloppenburg Park. Hier werden wir quasi als Abschiedsgeschenk am Vorabend der Fährüberfahrt nach Darwin überraschend von Mark und Fiona aufgegabelt, die uns spontan einladen die Nacht in ihrem Garten zu verbringen. Und wie meist bei solchen Einladungen werden wir auch noch zum familiären Abendessen gemeinsam mit den Großeltern eingeladen. Für mich ist es immer wieder beeindruckend wie Menschen ganz spontan Haus und Tür für Fremde öffnen. Thank you very much!

Am nächsten Tag schiffen wir ganz unspektakulär nach Darwin, wo wir unsere Warmshower-Gastgeberin Fleur sowie ihren Gast Jorvis aus Frankreich kennenlernen. Auch Audrey und Max treffen wir hier, die sich ebenfalls bei Fleur eingenistet haben. Ein geschäftiger Platz. Wir verbringen die letzen Tage in Australien mit „Koffer“ packen und schaffen sogar einen Ausflug auf einen der beliebten Märkte Darwins und ins berühmte Museum and Art Gallery of the Northern Territory.

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Indigene Kunst – auf dem Parap Village Market, im MAGNT

 

Am 11. September verlassen wir nach 22 Wochen und 5 Tagen, während denen wir 8.032km auf unseren Drahteseln verbracht haben, Australien. Eine Zusammenfassung, ein Resümee scheint bei dieser Dauer und Distanz schwierig, doch wir wollen es versuchen: Australien ist klimatisch und landschaftlich wesentlich abwechslungsreicher als wir erwartet hatten. So erlebten wir gerade in Victoria und Tasmanien durchaus kühle bis kalte Tage, besonders in den südöstlichen Bergen. Es scheint ein Naturgesetz zu sein, dass uns auch auf diesem Kontinent die Menschen mit offenen Armen empfangen und ihre Gastfreundschaft demonstriert haben. Wir wünschen uns und ihnen sie würden diese Offenheit und Toleranz noch häufiger ihren indigenen Mitbürger*innen zukommen lassen. Außerdem scheint uns dieser entlegene Kontinent irgendwie unberührt von Aussen, genauso wenig wie Nachricht aus Australien über die Ozeane schwappt. Besonders atemberaubend und andersartig ist für uns die unglaublich vielfältige Tier- und Pflanzenwelt und wir hoffen, dass es den Australier*ìnnen gelingt diese einzigartige Biosphäre zu erhalten und den Raubbau an der Natur zu stoppen.

Nach der langen Einsamkeit nehmen wir als Nächstes das überschäumende und bunte Treiben Südostasiens unter unsere Räder. Wir freuen uns auf fantastisches Essen, chaotischen Verkehr, spirituelle Vielfalt und jede Menge strahlender Lächeln.

Goodbye, Australia! – Selamat pagi, Indonesia!

Gesamtkilometer: 44.237km

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3 Gedanken zu „Katherine – Darwin, Australien“

  1. Liebe Ina, lieber Mirko,
    freuen uns zu hören, dass es euch gut geht. Wir sind zurück in Miesbach, die Schule hat wieder angefangen. Denken gerne an die Begegnungen mit euch. Tolle Erlebnisse auf Bali und ein gutes Heimkommen wünschen
    Bertl, Ulrike, Hansi

  2. Hallo ihr Lieben. Wieder einmal haben wir einen interessanten Bericht und tolle Bilder von Euch bekommen. Wir freuen uns ,dass Ihr das Abenteuer Australien gut gemeistert habt. Nun freuen wir uns schon auf neue interessante Berichte ,Informationen, Wissenswertes und natürlich tolle Bilder von Asien. Aber erst einmal wünschen wir Euch viel Spass mit Euren Freunden auf Bali. Geniesst euer Zusammen sein. Seid alle 4 ganz lieb gegrüsst von Balazs und Kristina. Für Ina und Mirko schicken wir noch eine dicke Umarmung. Machts gut.

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